Tor zur See - Ein Blick durch das Tor zur See ermöglicht dem Betrachter viele verschiedene Ansichten auf Nord- und Ostsee und informiert über Land und Leute im Küstenumfeld.

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Nordsee


Sturmfluten an Nord- und Ostsee
Die Fotos können durch Anklicken vergrößert werden.


Ostsee
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Neuharlingersiel
Sturmfluten haben die Küsten an Nord- und Ostsee in den vergangenen Jahrhunderten geprägt. Küstenverläufe haben sich durch die Fluten verändert und viele tausend Menschen sind ums Leben gekommen.

Was ist eine Sturmflut?
Von einer Sturmflut spricht man an der deutschen Nordseeküste, wenn das Hochwasser bei Sturm mindestens 1,50 Meter höher aufläuft als im Mittel:

leichte Sturmflut 1,50 - 2,50m über mittleren Hochwasser
schwere Sturmflut 2,50 - 3,50m über mittleren Hochwasser
sehr schwere Sturmflut mehr als 3,50m über mittleren Hochwasser

Am Fluttor in Neuharlingersiel sind die Hochwasserstände der vergangenen Jahrhunderte aufgezeichnet worden. Der höchste Wasserstand wurde in den Jahren 1825 und 1962 erreicht.
Flutmarken Neuharlingersiel


Wetterlage 24.11.1981
Wetterlage 24.11.1981
Sturmfluten-Entstehung
Sturmfluten-Entstehung

Wie entsteht eine Sturmflut?
Sturmfluten entstehen, wenn Wind mit Sturm- oder Orkanstärke größere Wassermassen gegen eine Küste drückt. Das geschieht an der deutschen Nordseeküste, wenn ein Sturmtief vom Atlantik über die Nordsee weiter nach Skandinavien oder zur Ostsee zieht. An seiner Südseite kann der Weststurm das Wasser zunächst gegen die nordfriesische Küste drücken, bevor der Wind auf der Rückseite des Tiefs auf Nordwest dreht. Dann sind vor allem die ostfriesische Küste und das Elbegebiet betroffen. Hier wirkt die Elbmündung wie ein Trichter. Durch die Abschottung zahlreicher Flussläufe mit Deichen und Sperrwerken läuft das Wasser hier höher auf als bei früheren Fluten.

Verantwortlich für Ebbe und Flut sind die Anziehungskräfte von Mond und Sonne. Die Höhendifferenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser nennt man Tidenhub. Dabei verschieben sich die Zeiten von Ebbe und Flut von Tag zu Tag um ca. 50 Minuten. Diese Verschiebung kommt durch die unterschiedlichen Bahnen von Erde und Mond umeinander zustande. Sonne und Mond erzeugen mit ihrer Anziehungskraft einen Flutberg, der am höchsten ist, wenn beide zusammenwirken (Neumond oder Vollmond). Dann muss bei Sturm mit so genannten "Sprinfluten" gerechnet werden, die besonders gefährlich sein können. Für die Nordseeküste besteht die größte Gefahr etwa zwei bis drei Tage nach Voll- oder Neumond; so lange braucht der Flutberg, bis er in das Nebenmeer vorgedrungen ist. Bei Halbmond läuft die Flut dagegen nicht so hoch auf ("Nippflut"). Den Gezeitenwechsel entdeckt hatte bereits der Mathematiker Isaac Newton (1643-1727).

Schutz vor Sturmfluten
Im Laufe der Jahrhunderte hat der Mensche gelernt, sich vor Sturmfluten zu schützen. Zahlreiche Sperrwerke, Fluttore und Deiche sollen den "Blanken Hans" bezwingen, doch sind Sturmfluten auch heute noch für Mensch und Tier gefährlich. Mit Deichen und Sperrwerken sollen die Nordseesturmfluten gebändigt werden, während an der steileren Ostseeküste nur an wenigen Stellen und in den Häfen Sturmflutschutz wichtig ist.

Deichbau
Schon seit dem Mittelalter versuchten Menschen, sich vor den Nordseefluten zu schützen. Zahlreiche Denkmäler erinnern an die Deichbauer. Mit einfachsten Mitteln wie Spaten und Schubkarre errichteten sie in früheren Jahrhunderten die Deiche, die zunächst meist schmal und steil waren. Erst nach der verheerenden Sturmflut von 1634 begann man zur Seeseite hin flachere Deiche zu bauen, an denen die Wellen langsam auslaufen können.

Sperrwerke
Flüsse wie Eider, Stör und Ems werden inzwischen durch gewaltige Sperrwerke geschützt. Das Eidersperrwerk wurde nach 5 jähriger Bauzeit 1973 fertiggestellt. Noch im Februar 1962 waren hier vor allem Tönning und Friedrichstadt überschwemmt. Aus ökologischer Sicht sind die Sperrwerke teilweise umstritten.

Weitere Schutzbauwerke
Die Nordseeinseln und die Halligen sind den Naturgewalten besonders ausgesetzt. Gleichzeitig stellen sie aber eine wichtige natürliche Barriere dar, an der die Nordseewellen gebrochen werden. Wenn die Wellen dann auf die Festlandsdeiche treffen, haben sie zumindest einen Teil ihrer Gewalt verloren. Daher findet man auf einigen Inseln Schutzbauten, teils aus Holz, teils aus Beton. Um die Steilküste der Insel Helgoland mit der berühmten langen Anna zu schützen, errichtete man einen stabilen Betonwall.

Schutz von Häfen und Orten
Häfen und angrenzende Orte sind schwieriger zu schützen. Für Deichbauten war oft nicht ausreichend Platz vorhanden und die Zufahrt zum Hafen muss von der Seeseite, aber auch vom Land noch möglich bleiben. Droht eine Sturmflut, dann müssen die Fluttore (hier in Neuharlingersiel) geschlossen werden, um Überschwemmungen des Landes dahinter zu vermeiden.

Zweite Deichlinie
Die ersten Deiche, die das Land vor Sturmfluten schützen, werden auch Seedeiche genannt. Dahinter befinden sich vor allem in tief gelegenen Küstenregionen oft zweite oder sogar dritte Deichlinien. Sollte der Seedeich einmal brechen, dann kann nur ein Teil des Landes bis zur nächsten Deichlinie überschwemmt werden. In diesen Deichen befinden sich Durchlässe für Straßen und Wege, so genannte Stöpen (Foto: Eiderstedt). Bei Feuerwehrübungen und im Ernstfall werden diese mit dem geschützt gelagerten Material geschlossen.

Deichbau in Otterndorf
Eidersperrwerk
Helgoland
Fluttor Neuharlingersiel
Stöpe


Strandkörbe auf Norderney


Warnungen vor Sturmfluten
Zuständig für Warnungen vor Sturmfluten an den deutschen Küsten ist das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), das im Jahre 1990 durch Zusammenlegung verschiedener Behörden entstand. Zuvor lagen die Aufgaben bei der 1868 gegründeten Norddeutschen Seewarte und ab 1945 beim Deutschen Hydrographischen Institut, direkt im Hamburger Hafenbereich gelegen.
Mit den Daten des benachbarten Seewetteramtes werden mehrmals täglich die zu erwartenden Wasserstände und Zeiten der folgenden Hoch- und Niedrigwasser an der Nordsee berechnet und bei Bedarf Sturmflutwarnungen herausgegeben. Falls nötig erfolgt auch eine Wasserstandswarnung für die Ostsee wegen sehr hoher oder sehr niedriger Wasserstände.

Bisherige Sturmfluten an der Nordsee
Historische Sturmfluten
17.02.1164 Julianenflut ca. 20.000 Tote, Anfänge des Jadebusens bildeten sich
16.01.1219 Erste Marcellusflut ca. 36.000 Tote in Holland, Überflutungen im Elbegebiet und in Ostfriesland
14.12.1287 Luciaflut vor allem Ostfriesland betroffen, nach einigen Quellen bis zu 50.000 Tote
16.01.1362 Zweite Marcellusflut ("Grote Mandränke") Bis zu 100.000 Tote werden je nach Quelle genannt, die Stadt Rungholt und zahlreiche andere Ortschaften versinken in den Fluten und werden vollständig zerstört.
11.10.1634 Burchardiflut (Zweite "Grote Mandränke") ca. 9.000 Tote, die Insel Strand wird in Pellworm und Nordstrand sowie die Hamburger Hallig und Nordstrandischmoor auseinandergerissen, Teile der ehemaligen Insel gehen für immer verloren
24./25.12.1717 Weihnachtsflut ca. 12.000 Tote an der Nordseeküste von Holland bis nach Dänemark
3./4.02.1825 Halligflut Deichbrüche an der Elbe, in Hamburg steigt das Wasser bis 5,24m über NN (Normalnull)
01.02.1953 Hollandflut Mehr als 2.000 Tote in Holland und Großbritannien, die deutsche Nordseeküste ist nur teilweise betroffen
16./17.02.1962 Hamburger Sturmflut 315 Tote, Stadtteile in Hamburg überflutet
03.01.1976 Orkantief "Capella" verbreitet höchste bisher gemessene Wasserstände

Sturmfluten in Hamburg:
17.02.1962 NN + 5,70 m
03.01.1976 NN + 6,45 m
24.11.1981 NN + 5,81 m
28.02.1990 NN + 5,75 m
23.01.1993 NN + 5,73 m
28.01.1994 NN + 6,02 m
10.01.1995 NN + 6,02 m
05.02.1999 NN + 5,66 m
03.12.1999 NN + 5,86 m
09.11.2007 NN + 5,42 m
NN = Normalnull, entspricht dem mittleren Wasserstand. Das mittlere Hochwasser läuft in Hamburg etwa 2,09m über NN auf.


Sturm an Ostsee

Flutmarke Greifswald-Wieck


Ostseesturmfluten
Auch an der Ostsee treten von Zeit zu Zeit Sturmfluten auf. Allerdings verhalten sich diese anders als an der Nordsee, da die Ostsee kaum Tidenhub aufweist und nur eine schmale Verbindung zur Nordsee hat. Daher verhält sie sich wie ein Binnenmeer. Ähnlich wie in einer Badewanne schwappt das vom Wind aus einem Teil der Ostsee herausgedrückte Wasser wieder zurück, sobald der Wind nachlässt oder dreht, und löst dann ein Hochwasser aus. Man spricht auch vom "Badewanneneffekt". Da solche Hochwasserlagen unabhängig vom Tidenhub auftreten, gibt es an der Ostseeküste keine echten Sturmfluten, sondern nur Sturmhochwasser. Beim folgenreichsten Ostseehochwasser starben am 13. November 1872 hunderte Menschen und viele Häuser zwischen Flensburg und Usedom wurden zerstört. Mehr als 600 Schiffe fielen damals dem Orkan zum Opfer.

Für die Ostsee gibt es keine allgemein gültige Einstufung der Sturmfluten, häufig wird diese verwendet:
leichte Sturmflut 1,00 - 1,50m über Normal
schwere Sturmflut 1,50 - 2,00m über Normal
sehr schwere Sturmflut mehr als 2,00m über Normal

In zahlreichen Orten an der Ostseeküste findet man noch Flutmarken aus dem Jahre 1872 wie hier in Greifswald-Wieck neben der Eingangstür des Hafenamtes.
Kiel
Lübecker Bucht
Brodtener Ufer
Travemünde
Lübeck
Boltenhagen
Wismar
Riemserort
Wieck
Usedom
zurueck
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